Ärgernis in Raum und Zeit

Eben haben die Glocken der Ulrichskirche und die einer anderen Kirche in Süßen dreimal geschlagen. Es ist 15 Uhr. Zählte man die Stunden seit Sonnenaufgang, wäre es „um die neunte Stunde“ (Mt 27,46) – die Todesstunde Jesu Christi. Ich stehe etwas abseits und schaue mich um. Langsam kommt doch der Frühling, die Sonne erhellt den Hochnebel und ich spüre ihre Wärme, aber auch die noch kalte Luft des vergangenen Winters. Es ist Freitag, der 30. März – damals in Jerusalem war es wohl der 14. Nissan. „Ärgernis in Raum und Zeit“ weiterlesen

Hilfe zwecklos

Im 3E-Gespräch der aktuellen Ausgabe wird der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm interviewt. Besonders eine seiner Antworten bedarf meines Erachtens einer Klärung, da ihre Argumentation einen Unterschied suggeriert, der bei genauem Hinsehen keiner sein darf:

Viele Flüchtlinge bekunden ein Interesse am christlichen Glauben. Wie stehen Sie zu Glaubenskursen für Flüchtlinge und zum Thema „Mission“ unter Flüchtlingen?

Wenn Flüchtlinge zum Glauben kommen, freue ich mich darüber. Ich sehe dies auch als Konsequenz der Glaubwürdigkeit, mit der sich Christen hier der Not der Flüchtlinge annehmen. Dass Flüchtlinge nach der Quelle dieses Engagements fragen, überrascht mich nicht. Dies ist aber etwas ganz anderes, als wenn man Strategien entwickeln würde, mit denen man die Hilfe für Flüchtlinge bewusst nutzen würde, um zu missionieren. Menschen dürfen nicht zum Mittel für einen Zweck benutzt werden. Jesus war immer am Menschen um des Menschen willen interessiert. Wir müssen daher den Menschen helfen, weil sie Menschen sind und nicht, weil sie potentielle Missionsobjekte wären.

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Lutherbibel 2017 – Advent des Unsäglichen

Heute hörte ich zum ersten Mal bewusst eine Lesung aus der Lutherbibel 2017. Es war der Lobgesang des Zacharias im Adventsgottesdienst einer landeskirchlichen Gemeinde. Was man im Vorfeld über die aktuellste Revision der Lutherbibel erfahren konnte, hatte mich bereits verunsichert. Was ich nun jedoch zu hören bekam, machte mich ernsthaft betroffen – obwohl der Text eigentlich ein Juwel des Neuen Testaments ist. Lukas 1, 67–79: „Lutherbibel 2017 – Advent des Unsäglichen“ weiterlesen

Aktualisierte Schriftlesungen für Kindertaufen

Während man bei zusammenhängenden Schriftlesungen in Gottesdiensten recht beliebig die verwendete Bibelübersetzung ändern kann, fällt das bei den Schriftlesungen zur Taufe schwerer. Denn hier gibt es mehrere kurze, unzusammenhängende Lesungen, und man greift dafür meist auf irgendwelche Kopien aus Gottesdienstvorlagen zurück. Dadurch werden die Lesungen in der Regel auf die altertümliche Luther-Übersetzung festgelegt, obwohl für die anwesenden Täuflinge, Tauffamilien und -gäste eine zeitgemäße, zugängliche Sprache fruchtbarer wäre.

Daher habe ich mich an eine Aktualisierung gemacht: „Aktualisierte Schriftlesungen für Kindertaufen“ weiterlesen

Fülle des Lebens – Morgenandacht

Es ist ungefähr anderthalb Jahre her, da waren meine Frau und ich noch Studenten. Es gab Dinge wie BAföG, Stipendien und Mensa, und mein größtes Interesse galt dem Studium der Theologie, der Altsprachen und der Bibel.

Dann trat ich meine erste Stelle bei einem Unternehmen an, und plötzlich „Fülle des Lebens – Morgenandacht“ weiterlesen

Novus, Angelus; Walter, Benjamin

Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. „Novus, Angelus; Walter, Benjamin“ weiterlesen

Christengegner, Pharisäer und die Volxbibel

Im Umfeld der frühen Kirche gab es ein Prinzip, das besagt, dass Form und Inhalt von Texten einander entsprechen müssten. Wenn etwa ein Schriftstück den Anspruch erhob, göttliche Autorität zu haben, dann musste dieses auch literarisch von außergewöhnlich hoher Qualität sein. Blieb das Werk hingegen hinter einem gewissen sprachlichen Niveau zurück, stellte dies auch dessen Inhalt infrage. „Christengegner, Pharisäer und die Volxbibel“ weiterlesen

Ich wünsche Ihnen frohe Ostern

Dieser Tage lag der aktuelle Gemeindebrief der Stiftskirche Tübingen vor der Tür. Auf der Titelseite verspricht der Pfarrer Einstimmung auf Karfreitag und Ostern. Aber was wird da gesungen, was ist uns überliefert? Dass „Jesus für uns gestorben ist und uns durch sein ‚teures Blut‘ vor Gott gerecht und gut gemacht hat (so z.B. EG 79).“ „Ich wünsche Ihnen frohe Ostern“ weiterlesen