Ärgernis in Raum und Zeit

Eben haben die Glocken der Ulrichskirche und die einer anderen Kirche in Süßen dreimal geschlagen. Es ist 15 Uhr. Zählte man die Stunden seit Sonnenaufgang, wäre es „um die neunte Stunde“ (Mt 27,46) – die Todesstunde Jesu Christi. Ich stehe etwas abseits und schaue mich um. Langsam kommt doch der Frühling, die Sonne erhellt den Hochnebel und ich spüre ihre Wärme, aber auch die noch kalte Luft des vergangenen Winters. Es ist Freitag, der 30. März – damals in Jerusalem war es wohl der 14. Nissan. „Ärgernis in Raum und Zeit“ weiterlesen

Alternative zu Tempolimits

Im Rückspiegel die Geschwindigkeit von herannahenden Autos korrekt einzuschätzen, ist nicht immer einfach: Reicht meine Beschleunigung noch, um auf der linken Spur zu überholen, ohne jemanden zu behindern? Je schneller ein Hintermann auf der linken Spur daherkommt, desto weniger Zeit bleibt, diese Entscheidung zu treffen. Und nicht nur das: Die Messergebnisse unserer menschlichen Sinnesorgane werden immer unpräziser, je schneller sich ein Objekt nähert. Und das gilt natürlich umso mehr bei zunehmender Dunkelheit, was für viele Autobahnfahrer dann außerdem zunehmende Geschwindigkeit bedeutet.

Diese 3 Faktoren gehen noch naiv davon aus, dass ein herannahender Raser überhaupt sichtbar ist. Doch das ist oft gar nicht der Fall: Wenn die Autobahn nicht kerzengerade ist, sieht man ein mit 200 km/h herannahendes Auto in der Regel nicht rechtzeitig – sondern erst dann, wenn man schon am Überholen ist. Schafft man es dann nicht mehr rechtzeitig nach rechts, macht man sich am durch helle Lichtsignale erhöhten Spritverbrauch des Bremsgeschädigten schuldig. Dasselbe gilt natürlich umso mehr, wenn der Herannahende zuerst noch ordnungsgemäß hinter einem anderen Auto auf der Mittelspur fährt und erst in Erscheinung tritt, nachdem er auf die linke Spur gewechselt hat und dann binnen Augenblicken an der Stoßstange klebt.

Es ist wieder einmal die ADAC Motorwelt (Ausgabe 11/2017), die auf diese grundsätzliche Problematik von hochmotorisierten Rennwagen und sehr schnellen Autofahrern nicht eingehen kann. Wenn „Sebastian Kaiser“ mit seiner Oberklasse-Limousine und 200 km/h daherkommt, kommt bei ihm „Ärger über Linksspur-Blockierer“ auf – als Versicherungs-Außendienstler hat er es ja eilig!

Was soll man aus einem solchen Artikel lernen, wenn man Fahrer eines durchschnittlichen Autos (unter 30.000 Euro Neupreis) ist, dessen Beschleunigung von 90 auf 120 länger als 5 Sekunden dauert? Oder als Fahrer eines Autos, das diese Leistung nur bei einer Zuladung von 100 Kilo bringt, nicht aber mit Partner, Kindern und Gepäck? Wie sollten diese Fahrer überhaupt noch einen LKW überholen, ohne Gefahr zu laufen, einen doppelt so schnellen Rennfahrer zum Heben seines Bleifußes zu nötigen?

„Ich beobachte immer wieder Überholvorgänge, bei denen die Fahrer sich und andere gefährden“, zitiert der ADAC-Artikel einen weiteren Außendienstler. Kann es sein, dass diese Art von Beobachtung umso besser gelingt, je schneller man unterwegs ist? Und man ab 200 km/h sogar garantiert einen Treffer landet? Wäre es da nicht eine diskutable Alternative zu politisch aufgeblähten Tempolimits, eine Autobahn-Zulassung zukünftig überhaupt nur noch ab einer bestimmten Beschleunigungsleistung zu bekommen? Wie sonst sollte man denn diesen Widerspruch zwischen naiver Straßenverkehrsordnung und ausufernder Rennsport-Motorisierung auflösen?

Fahrradschuppen

Meine 14 Tage Sommerurlaub standen dieses Jahr im Zeichen eines kleinen Bauprojekts: Ein Unterstand für unsere Fahrräder, Fahrradanhänger und Gartengeräte, der gelegentlich auch als Laube, Computer-Arbeitsplatz oder Werkstatt verwendet werden kann. Da ich bestimmte Dinge immer wieder gefragt werde, schreibe ich sie hiermit einfach für alle Interessierten auf: „Fahrradschuppen“ weiterlesen

Federwiegen-Motor unter 100 Euro – meine Erfahrungen

Manche fragen sich, was ein Federwiegen-Motor ist. Zum Beispiel meine automatische Rechtschreibprüfung. Andere fragen sich, ob das ständige Auf und Ab solcher Motoren einem Kind schaden kann. Beide Fragen werden von diesem Beitrag nicht beantwortet. Dieser Beitrag hilft vielmehr Eltern, die sich bereits sicher sind, dass ein Federwiegen-Motor weniger schädlich für ihre Familie ist als das Schreien und Wachen ihres Kindes.

Solche Eltern wünschen sich in aller Regel einen Motor für ihre Federwiege, damit sie nicht Stunde um Stunde und Tag für Tag danebensitzen, ihren Arm rhythmisch verrenken und ihre Mahlzeiten einhändig einnehmen müssen. Solche Eltern werden in der Regel auch Webshop für Webshop durchforsten, nur um festzustellen, dass es einen solchen Motor für unter 100 Euro scheinbar nicht zu kaufen gibt. Scheinbar … „Federwiegen-Motor unter 100 Euro – meine Erfahrungen“ weiterlesen

Hilfe zwecklos

Im 3E-Gespräch der aktuellen Ausgabe wird der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm interviewt. Besonders eine seiner Antworten bedarf meines Erachtens einer Klärung, da ihre Argumentation einen Unterschied suggeriert, der bei genauem Hinsehen keiner sein darf:

Viele Flüchtlinge bekunden ein Interesse am christlichen Glauben. Wie stehen Sie zu Glaubenskursen für Flüchtlinge und zum Thema „Mission“ unter Flüchtlingen?

Wenn Flüchtlinge zum Glauben kommen, freue ich mich darüber. Ich sehe dies auch als Konsequenz der Glaubwürdigkeit, mit der sich Christen hier der Not der Flüchtlinge annehmen. Dass Flüchtlinge nach der Quelle dieses Engagements fragen, überrascht mich nicht. Dies ist aber etwas ganz anderes, als wenn man Strategien entwickeln würde, mit denen man die Hilfe für Flüchtlinge bewusst nutzen würde, um zu missionieren. Menschen dürfen nicht zum Mittel für einen Zweck benutzt werden. Jesus war immer am Menschen um des Menschen willen interessiert. Wir müssen daher den Menschen helfen, weil sie Menschen sind und nicht, weil sie potentielle Missionsobjekte wären.

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Gelegenheit macht Drängler

In der jüngsten ADAC Motorwelt dreht sich der Leitartikel um sogenannte Drängler: Menschen, die mit ihrem Fahrzeug zu dicht auffahren und andere Verkehrsteilnehmer bedrängen. Der Artikel gibt auch Antworten auf die Frage, warum es solche Menschen eigentlich gibt und was die Gründe sind, dass ihre Zahl ständig zunimmt. Neben einigen anderen Aspekten formuliert ein „Experte“ dabei die zentrale Erkenntnis:

Menschen haben unterschiedliche Wunschgeschwindigkeiten.

Das ist sicher nicht falsch. Aber es ist nicht der Grund, weshalb es immer mehr Drängler auf deutschen Autobahnen gibt, wie der ADAC richtig feststellt. Viel ausschlaggebender ist ein anderer Grund. Und der ADAC darf ihn nicht einmal in einem Nebensatz erwähnen: Die Leistung unserer Autos. „Gelegenheit macht Drängler“ weiterlesen

Lutherbibel 2017 – Advent des Unsäglichen

Heute hörte ich zum ersten Mal bewusst eine Lesung aus der Lutherbibel 2017. Es war der Lobgesang des Zacharias im Adventsgottesdienst einer landeskirchlichen Gemeinde. Was man im Vorfeld über die aktuellste Revision der Lutherbibel erfahren konnte, hatte mich bereits verunsichert. Was ich nun jedoch zu hören bekam, machte mich ernsthaft betroffen – obwohl der Text eigentlich ein Juwel des Neuen Testaments ist. Lukas 1, 67–79: „Lutherbibel 2017 – Advent des Unsäglichen“ weiterlesen

Rosa Flaig

Heute jährt sich der Todestag von Hermann Flaig zum fünften Mal. Gestern Morgen um halb elf ist ihm seine Frau Rosa Flaig nach vielem Leiden endlich in die Ewigkeit gefolgt. Alle meine Großeltern sind nun tot, und ein Haus voller Erinnerungen steht leer. Oma Rosa hinterließ jedenfalls einen kleinen Spruch unbekannter Herkunft, der ein wenig Trost enthält und der auf eigenen Wunsch hin auch ihre Todesanzeige ziert: „Rosa Flaig“ weiterlesen