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Kleinigkeit zur Buchmesse: Warum die Textausrichtung in E-Books Bände spricht

Wer ein E-Book bei Amazon anbieten will und dabei für die Textausrichtung Vorgaben macht (z.B. linksbündig oder Blocksatz), wird von Amazon verwarnt: Amazon-Kunden soll keine Textausrichtung vorgegeben werden, Amazon-Kunden sollen ihre Textausrichtung selbst auswählen können.

Obwohl das E-Book trotz dieses Hinweises von Amazon nicht wirklich abgelehnt wird, sollten sowohl E-Book- als auch E-Book-Reader-Hersteller die Sache, um die es geht, ernstnehmen: Weshalb sollten die Einschränkungen, die im gedruckten Buch hinsichtlich des Satzes unvermeidlich sind, im E-Book künstlich nachempfunden werden? Was ist wichtiger: Die Form des Drucksatzes auch im E-Book zu erhalten, oder dem Leser möglichst großen Lesekomfort zu bieten? Genau.

Apple (mit ihrem iBooks) und Amazon (mit ihrem Kindle) haben das verstanden, und bieten dem Leser nicht nur verschiedene Schrifttypen, -größen und Farbschemata für ihre E-Books an, sondern eben auch verschiedene Textausrichtungen. Warum aber schafft das z.B. der weiterhin populäre Sony Reader noch nicht einmal in der dritten Generation? Und das, obwohl die MobileRead-Community schon von Anfang mittels Calibre seinen Mangel an Optionen umgangen und sogar alternative Firmwares für ihn entwickelt hat (PRS+)? Dabei steht Sony nur exemplarisch, in gleicher Weise stagnieren Adobe Digital Editions und viele andere!

Was könnten die Gründe für dieses mut- und innovationslose Verhalten sein?

  1. Die Hersteller wollen, wie oben schon erwähnt, auf Biegen und Brechen an den Eigenschaft gedruckter Bücher festhalten: Wenn es im Printtitel keine Absatzkontrolle gibt, dann wird es eine solche auch in E-Books nicht geben. Der Kunde soll konsumieren, was man ihm gibt, und nicht selbst am Werk herumpfuschen!
    Wie wäre es denn dann, wenn man endlich auch die Schrifttype und -größe fixieren würde? Solche Einstellungsmöglichkeiten machden das Erscheinungsbild eines E-Books ja geradezu dynamisch! Im Ernst: Es handelt sich eben gerade nicht um gedruckte, sondern um elektronische Titel. Autos haben auch keine Hufe! (Und um nicht nur auf die Hersteller zu schauen: Autos haben auch dann keine Hufe, wenn sich ein geringer Prozentsatz der Fahrer aufs Pferd zurückwünscht.)
  2. Die Hersteller wollen kein Geld für eine gute Silbentrennung ausgeben und vermeiden deshalb Blocksatz-Darstellung. Und da die meisten E-Books ohnehin keinen Blocksatz vorgeben, fallen solche E-Book-Reader gar nicht arg auf.
    In der Tat trifft diese Aussage zu, denn viele Reader beherrschen entweder gar keine oder nur eine unzureichende Silbentrennung. Ein Unding! Vielleicht sollten die E-Book-Reader-Hersteller lieber einen der gängigen Browser für ihr Gerät portieren, die bieten nämlich alle völlig ausreichende Silbentrennung und würden sich auch mit XHTML verstehen!
  3. Die E-Book-Hersteller zerbrechen sich lieber den Kopf über Digital Rights Management (DRM) als über die Lesegewohnheiten ihrer Kunden.
    Die Verlagsbranche spielt hier durchaus noch immer das gleiche Spiel wie vor 15 Jahren die Musik- und Filmbranche. Das wird sie auch in gleicher Weise zu spüren bekommen. Ein ganz minimales Umdenken des deutschen Buchhandels allerdings, das muss man hier fairerweise erwähnen, wird im neuen Tolino shine erkennbar: Er bietet dem Leser an ganz prominenter Stelle die Einstellung der Textausrichtung.

Alle genannten Gründe stellen aus meiner Sicht Fehler dar, sind dem heutigen Nutzer in hohem Maß unangemessen und deshalb zu überwinden. Sie schaden auch letztlich nicht nur dem E-Book, sondern ebenso der Verlagslandschaft und dem Buch generell. Solange es aber noch Bücher und E-Books gibt, sollten wir doch lieber das Beste aus Ihnen machen, als durch Restriktionen und zweifelhafte Sparmaßnahmen diese kurze Zeit auch noch zu verunstalten!

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