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Xylamon BV

Was bedeutet es, wenn der Dachstuhl mit Xylamon BV behandelt wurde? Wir haben zu diesem Thema so wenig konkrete Informationen gefunden, dass wir hier unsere eigenen Erfahrungen teilen wollen. Unser Fall ist sicher kein Einzelfall:

Wie bereits erwähnt gingen Joa und ich bis heute fest von einer Aufsparrendämmung aus, die den schönen, etwa 80 Jahre alten Dachstuhl als Gestaltungselement des Wohnraums erhalten würde. Bis wir letztes Wochenende – genau vor einem Jahr – obigen, bald 50 Jahre alten Zettel auf dem Dachboden gefunden haben. Glück und Unglück zugleich:

Xylamon ist neben Xyladecor eine Marke der Firma Desowag in Düsseldorf. Bestandteil dieser beiden Holzschutzmittel waren bis 1978 die sehr giftigen Chemikalien Pentachlorphenol (PCP) und Lindan. Leider war 1964, das Datum unserer Dachstuhlbehandlung, vor 1978. Der noch heute sichtbare, aber in diesem Ausmaß unbedenkliche Wurmfraß an manchen Sparren war damals vermutlich der akute Grund für die Behandlung – bevor dann Ende der 60er-Jahre weitere Renovationen am Haus stattfanden.

Stöpsel der Xylamon-Impfung in den Sparren
Stöpsel der Xylamon-Impfung in den Sparren

Also begann ich zu recherchieren, was in einem solchen Fall wohl am besten zu tun wäre, ob dieses Mittel in der angegebenen Konzentration überhaupt gesundheitsschädlich ist und ob es nach fast 50 Jahren nicht auch einfach verdampft sein könnte. Schließlich war der Dachboden in unserem Fall unausgebaut, und auf den Sparren war außer einer Unterspannbahn aus Spinnvlies eben nur noch die Eindeckung mit Betonziegeln. Das bedeutet einige Zugluft, große Hitze im Sommer und Kälte im Winter. Außerdem schienen die Sparren ansonsten unbehandelt. Grundsätzlich also gute Bedingungen, dass das Xylamon tatsächlich verdampft sein könnte.

Allerdings finden sich in den Sparren tatsächlich kleine, in regelmäßigen Abständen gesetzte und mit Stöpseln verschlossene Bohrlöcher – wie schnell verdampft das Mittel aus dem Zentrum eines Balkens? Leider ließen sich zu solch konkreten Fragen nicht mehr als diffuse Meinungen finden, und überhaupt wird eine Internet-Recherche zu diesem Thema dominiert von dem großen Umweltprozess, den eben diese beiden Holzschutzmittel in den Neunzigern verursacht haben – der Spiegel berichtete in Ausgabe 21/1992 und 22/1993.

Also schien uns nach Absprache mit unserem Baubiologen der sinnvollste nächste Schritt die Beprobung des Dachstuhls und eine Beurteilung der Ergebnisse anhand der heute gültigen Innenraum-Grenzwerte des BgVV für beide Substanzen, PCP und Lindan. Inwiefern diese Grenzwerte ein verlässlicher Maßstab für gesundes Wohnen darstellen, vermag ich nicht zu sagen; im Fall PCP und Lindan halte ich sie allerdings für vertrauenswürdig, da ein Skandal voranging und die bekannten Fälle von Gesundheitsschäden durch massiv größere Dosen verursacht wurden.

Die Untersuchung kann durch Messungen der Luft vor Ort oder anhand von kleinen Holzproben im Labor vorgenommen werden. Letztere Variante ist freilich unsicherer, da selektiv. Aber sie ist natürlich günstiger, und so haben wir Proben an unterschiedlichen Stellen des Dachstuhls entnommen und ins Labor gebracht: 225 Euro pauschal im einen Labor, bei einem anderen Labor 70 Euro für PCP und 50 Euro für Lindan; alle drei Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer.

Werden die genannten Grenzwerte nun überschritten, gibt es je nach Konzentration, Umfang der Sekundärkontamination und finanziellem Puffer verschiedene Alternativen zur bisher geplanten Aufsparrendämmung:

  • Spezielle Lacke zum vollständigen Versiegeln der betroffenen Baustoffe, infolgedessen aufgrund der Unansehnlichkeit vermutlich eine Zwischensparrendämmung;
  • Verzicht auf das Dachgeschoss als Wohn- und Lagerraum;
  • vollständige Erneuerung des Dachstuhls und des dann ebenfalls zu beprobenden Dachbodens, der möglicherweise sekundärkontaminiert ist.

Update, zwei Monate später: Das Ergebnis der Beprobung ist verwunderlicherweise eindeutig: Die Konzentration der beiden Mittel unterschreitet die Grenzwerte. Die Werte sind sogar so gering, dass das Holz als nicht kontaminiert gilt und die beiden Stoffe in nicht höherem Maße vorkommen als bei einem unbehandelten Dachstuhl, der sie sekundär über die natürliche Atmosphäre aufgenommen hat. Man merke also: Trotz umfassender Impfung in und Sprühung auf die Balken haben sich beide Giftstoffe in weniger als 50 Jahren vollständig verflüchtigt.

Damit er auch für Suchmaschine und fragende User dahinter find- und lesbar wird, hier obige Grafik noch einmal in Textform:

Holzschutz-Behandlung mit Präparaten aus den Xylamon-Werken Düsseldorf

Ausführende Firma:
Holz- und Bautenschutz
Georg Rein
7411 Reutlingen-Betzingen
Heppstraße 132

7415 Wannweil
Unterer Haldenweg ?
C No 1724
Die Richtigkeit der Angaben
wird bescheinigt:
?
Unterschrift

Vorbeugend gegen Hausbock, Holzwurm, Schwamm und Feuer
Bekämpfend gegen Hausbock, Holzwurm und Schwamm mit gleichzeitigem Schutz gegen Neubefall
Verwendete Mittel: Xylamon BV
Prüfnummer und Prüfprädikate: PAV-620-?
Einbringverfahren: Sprühen u. Impfen
Eingebrachte Schutzmittelmenge: 300 g/m2
Datum der Behandlung: 11. Sept. 1964

Eine Antwort auf „Xylamon BV“

in meiner lehre 1974_1978 Jahre in Glockengisserrei Gescher musten wir die kirchturmfenter mit holz verkleiden das holz wurde in Xylamon getaucht und als lehlink hat dir keiner gesagt wie giftig das zeug ist wo ich mit arbeite jetzt meine frage kann nach sollanger zeit meine haut an den füssen ist ausgetronnet aber nur dort wo die arbeitsschuhe enden

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