Herbst (Es raschelt unter meinen Füßen)

Heute vor 8 Jahren ist mein Opa Hermann auf dem Lackendorfer Friedhof, in Sichtweite seines Stammplatzes in der heimischen Küche, beerdigt worden. Er war 4 Tage zuvor im Rottweiler Krankenhaus gestorben, nachdem er weitere 4 Tage zuvor in seinem Haus unerwartet gestorben und wiederbelebt worden war. Kurz vorher hatte er, der Naturfreund, ein Gedicht aufgeschrieben, das ich nach 5 Jahren vertont habe und zum heutigen Jahrestag seiner Beerdigung veröffentlichen will:

Herbst-Gedicht, Handschrift von Hermann Flaig
Handschrift von Hermann Flaig auf Löschpapier,
erstmals vor 7 Jahren hier veröffentlicht

Ich habe den Text nicht etwa vertont, weil er von besonderer Tiefe oder lyrischer Güte wäre. Beides könnte ich ehrlich gesagt auch nicht behaupten. Nein, sondern weil ich und einige aus meiner Herkunftsfamilie ihn mit eben jenem bemerkenswerten Mann verbinden, der sie Zeit seines Lebens geprägt hat und von dem sie bis heute Erinnerungen mit sich herumtragen – und gerade auch vom Tag seiner Beerdigung, einem musterhaften Herbsttag, dem dieses Gedicht nicht lange vorausgegangen sein kann. Ob es aber wirklich eine geistige Schöpfung von Hermann ist, oder ob er es lediglich abgeschrieben hat, von wem, von wo und ob mit oder ohne Fehler, weiß ich leider nicht sicher. Fragen konnte ich ihn nicht mehr. Ich habe aber sehr ausführlich recherchiert, vor allem im Bereich des Schwarzwälder Hausschatzes, den er regelmäßig bezogen hatte, konnte aber selbst per Google keinerlei Hinweise auf eine Existenz dieses Gedichts außerhalb der Eschbronner Straße 36 finden.

So wage ich es, das Lied heute zu veröffentlichen. Sollte doch jemand anderes der Urheber dessen Textes sein oder ihn kennen, bitte ich um freundliche Kontaktaufnahme.

Übrigens habe ich mir tatsächlich auch kompositorische und interpretatorische Gedanken zu Text und Musik gemacht: Die Strophen stehen in E-Moll, es ist ja sommermüder Herbst, das Laub am Boden, das Sterben mehr als einmal genannt. Dasselbe gilt für die Ritornelle, die die Vorstellung vom Durchstreifen des Walds und von der Wanderschaft unseres Lebens begleiten sollen. Nur die zweite Strophe, die spielt in der Hoch- bzw. Blütezeit des Lebens und damit in einer anderen Tonart – als musikalischer Laie weiß ich leider nicht, ob in F- oder C-Dur. Und gemäß des Textautors Hoffnung bricht diese Tonart dann natürlich auch am Ende nochmal an.

Unmittelbar nach der Aufnahme fand ich übrigens, dass zwischen 3. und 4. Strophe lieber kein Zwischenspiel mehr hätte sein sollen. Nun denn, ich muss jedes Mal abwägen, wann ich doch noch einen zweiten und dritten Take mache, und diesmal habe ich mich aufgrund der vollen Tage dafür entschieden, es beim ersten zu lassen. Auch der mittelmäßige Schluss bleibt damit stehen. Was ich aber am Abend, als die Kinder eingeschlafen waren, noch in Flüsterlautstärke aufgenommen habe, ist eine sehr leise zweite Stimme ab ungefähr der Mitte des Liedes.

Dies ist übrigens das mittlerweile 12. Lied meines Lieder-Albums, und es ist jetzt der 12. Monat seit der Veröffentlichung seines (chronologisch) ersten Liedes Amazing Grace #2.1 im November 2018. Vielleicht kann ich zu diesem Meilenstein noch in einem dezidierten Beitrag Resümee ziehen.

Das eingebettete Video von YouTube
Hochauflösende MP3 des Audiotracks (Peripherie gekürzt)

Der Text, wie er auch für die Video-Untertitel auf YouTube automatisch synchronisiert wurde, mit einer minimalen Hinzufügung und einer minimalen Korrektur gegenüber der obigen Handschrift:

Es raschelt unter meinen Füßen,
wenn ich den Wald durchstreife.
Es ist das sommermüde Laub
von Eschen, Buchen, Eiche.

Wie hat es einst gegrünt, gesproßt
am Baume, an dem Aste –
Und allen Menschen Labung gab[s],
die in dem Wald zu Gaste.

Nun wirbelt Herbstwind es noch auf,
[auf,] auf zum letzten Tanze!
Müde sinkt es dann zur Erde,
sterbend in goldenem Glanze.

Wie ist des Menschen Leben doch
mit Blättern zu vergleichen.
Man wird geboren, spendet, stirbt.
Wie Laub von Eschen, Buchen, Eichen.

Titel: Herbst (Es raschelt unter meinen Füßen) // Text (Herbst): vielleicht Hermann Josef Flaig (2011, †2011) // © Melodie (2016), Interpretation, Video, Produktion und ℗ (2019): joajo.de

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