Rilkes Theologen

Ein drittes Gedicht von Rainer Maria Rilke, zu dem ich irgendwann im Herbst 2009 eine Melodie geschrieben habe: Es tauchten tausend Theologen. Beides wurde am heutigen Tag vor 4 Jahren uraufgeführt – im Rahmen einer sehr kleinen Motette in der Kirche Sankt Bernhardt in Esslingen.

Im Vergleich zu damals habe ich eine instrumentale Strophe vor der letzten eingefügt, außerdem 3 rhythmische und eine sehr kleine melodische Anpassung vorgenommen. Da dieses Lied bald in dieser, bald in jener Okatve gesungen wird, habe ich anstelle einer Entscheidung eine ergänzende, nahbesprochene Bassstimme aufgenommen. Sie kann auch die Tiefen verdeutlichen, die bei Rilkes Worten mitschwingen.

Alles andere stammt wie gewohnt aus ein und demselben Take, damit mich diese Aufnahmen so wenig Zeit wie möglich kosten. Würde ich dieses Hobby aufwendiger betreiben, hätte ich in einem weiteren Take ein langsameres Liedtempo angeschlagen, vor allem gegen Ende, und mit noch etwas sanfterer Stimme gesungen.

Die bisher 2 anderen Rilke-Texte, die ich nach diesem vertont, aber schon vor diesem aufgenommen habe, sind die auch historisch späteren Zum Einschlafen zu sagen und Der Panther. Letzterer klingt dem aktuellen sehr ähnlich, was mitunter auch daran liegt, dass E-Moll die für mich einfachste Gitarrentonart ist und war.

Das eingebettete Video von YouTube
Hochauflösende MP3 des Audiotracks (Peripherie gekürzt)

Der Text, wie er auch für die Video-Untertitel auf YouTube automatisch synchronisiert wurde:

Es tauchten tausend Theologen
in deines Namens alte Nacht.
Jungfrauen sind zu dir erwacht,
und Jünglinge in Silber zogen
und schimmerten in dir, du Schlacht.

In deinen langen Bogengängen
begegneten die Dichter sich
und waren Könige von Klängen
und mild und tief und meisterlich.

Du bist die sanfte Abendstunde,
die alle Dichter ähnlich macht;
du drängst dich dunkel in die Munde,
und im Gefühl von einem Funde
umgibt ein jeder dich mit Pracht.

Dich heben hunderttausend Harfen
wie Schwingen aus der Schweigsamkeit.
Und deine alten Winde warfen
zu allen Dingen und Bedarfen
den Hauch von deiner Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke

Titel: Rilkes Theologen // Text (Es tauchten tausend Theologen. In: Das Stunden-Buch : Buch vom mönchischen Leben. / Rilke, Rainer Maria. Leipzig : Insel-Verlag, 1905, 50): Rainer Maria Rilke (1899, †1926) // © Melodie (2009), Interpretation, Video, Produktion und ℗ (2019): joajo.de

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