Oikia

Es gibt ja mein altes Projekt Novum Testamentum Graece aus den Tübinger Jahren 2009–2012: Lieder mit Kerntexten des Neuen Testaments in dessen Originalsprache „Koine-Griechisch“. Zielsetzung: den Text durch die Musik einprägsamer zu machen. Mit Pater im Januar begonnen, folgt nun zum Mittsommer das zweite Lied, als Skizze erstmals festgehalten im Juni 2012.

Es handelt sich diesmal um ein Gleichnis Jesu aus Matthäus 7,24–27: Wer seine Worte hört und sie tut, ist wie ein verständiger Mann, der ein Haus auf Fels baut. Wer hört und lieber nicht tut, baut stattdessen auf Sand. Es kommen dann Regen und Stürme, Flüsse treten über die Ufer und alles fällt über das jeweilige Haus her: Ersteres Haus bleibt bestehen, zweiteres Haus fällt unter den Schlägen, und zwar heftig.

Damals in 2012 habe ich mir tatsächlich noch gar keine Gedanken über diese Naturgewalten gemacht. Heute kämpfen die Menschen in unseren Breitengraden gefühlt täglich gegen größere und kleinere Naturkatastrophen – zumindest müssen sie zunehmend mehr Geld für diesen Kampf ausgeben. Es regnet konzentrierter, die Hochwasser der Flüsse brechen in kürzester Zeit Rekorde der letzten Jahrhunderte, ebenso die Jahres-Höchst- und Durchschnittstemperaturen. Richtig extrem wird es, wenn man einen Blick über die eigenen Landesgrenzen hinaus wirft. Jesu Bild wird durch all das zumindest eindrücklicher.

Entsprechend eindrücklich ist ferner, was mit dem Haus auf Sand passiert: Es bekommt durch die Umwelteinflüsse nicht irgendeinen reparablen Schaden, sondern „jenes Haus fällt“, und – da sind sich Matthäus und Lukas einig –: „sein Fall war groß.“ In der Parallele Lukas 6,47–49, die grammatisch und syntaktisch zwar anders, in der Aussage aber gleich ist, steckt dazu noch ein nettes Detail: Auf Sand bauen meint, nicht tiefer zu graben und keine Grundmauern bis auf den darunterliegenden Fels zu schaffen. Es ist also offenbar mit deutlich mehr Aufwand verbunden, auf Jesu Worte zu bauen, als den nächstbesten, einfacheren Erklärungen zu folgen, die uns in den Ohren kitzeln.

(Nachtrag zu den Naturkatastrophen: Der Mensch ist daran nicht schuld. Die globale Erderwärmung lässt sich viel einfacher durch eine wärmere Sonne erklären.)

Eine (sehr kleine) Katastrophe ist übrigens mal wieder der Gitarrensound in dieser Aufnahme. Ich verstehe einfach nicht, woher diese destruktive Phasenmodulation kommt, zumal die ja nicht in jeder meiner Aufnahmen so hörbar ist. Klar, wenn ich mich vom Mikrofon weg- und wieder hinbewege, entsteht ein Dopplereffekt. Aber selbst wenn ich fast stillstehe, klingt es, als hätte ich irgendeinen Chorus oder Flanger eingeschaltet – was aber nicht der Fall ist. Kommt das wirklich nur von meinen Armbewegungen? Wenn ich das Signal des Pickups dazumische, wird es eher besser als schlechter – übrigens fast unabhängig davon, wie ich die Phasen drehe und wende. Nun denn – vielleicht ist das auch der Preis für das primitive Setup und die Produktion mit fixen Einstellungen? Oder klingt mein Gitarrenspiel tatsächlich so?

Was ich außerdem noch erwähnen will: Die Hookline der 6/8-Teile stammt im Wesentlichen schon vom Februar 2011. Ich erinnere mich, wie ich damals selbst über den plötzlichen musikalischen Einfall verwundert war, und überlege seither, ob ich die Melodie damals nicht doch irgendwo aufgeschnappt habe. Mir kommt dabei manchmal Manfred Siebald in den Sinn, doch konnte ich bei ihm bisher nichts Entsprechendes finden. Sowohl in dieser Sache als auch hinsichtlich des Gitarrensounds freue ich mich über jeden sachdienlichen Hinweis!

Und noch ein letztes Wort zum Text: Der ist – anders als bei Pater – bei diesem Lied nicht unter Berücksichtigung der griechischen Akzente gesungen – hinsichtlich sowohl der Dynamik als auch der Tonhöhe. Das ist auf der einen Seite schlecht fürs korrekte Lernen, auf der anderen Seite erleichtert es wiederum das Merken, weil Rhythmus und Melodie der Musik einfacher sein dürfen. Außerdem ermöglicht es mir einen intuitiveren Zugang. Alle anderen Hinweise zum Griechischen finden sich beim ersten Lied Pater.

Das eingebettete Video von YouTube
Hochauflösende MP3 des Audiotracks (Peripherie gekürzt)

Der Text, wie er auch für die Video-Untertitel auf YouTube synchronisiert wurde – zuerst in griechischer, dann in vereinfachter Umschrift:

πᾶς οὖν ὅστις ἀκούει
μου τοὺς λόγους τούτους
καὶ ποιεῖ αὐτοὺς

ὁμοιωθήσεται
ἀνδρὶ φρονίμῳ,
ὅστις ᾠκοδόμησεν αὐτοῦ τὴν οἰκίαν
|: ἐπὶ τὴν πέτραν. :|

καὶ κατέβη ἡ βροχὴ
καὶ ἦλθον οἱ ποταμοὶ
καὶ ἔπνευσαν οἱ ἄνεμοι
καὶ προσέπεσαν
τῇ οἰκίᾳ ἐκείνῃ,
καὶ οὐκ ἔπεσεν,
τεθεμελίωτο γὰρ
ἐπὶ τὴν πέτραν.

καὶ πᾶς ὁ ἀκούων
μου τοὺς λόγους τούτους
καὶ μὴ ποιῶν αὐτοὺς

ὁμοιωθήσεται
ἀνδρὶ μωρῷ,
ὅστις ᾠκοδόμησεν αὐτοῦ τὴν οἰκίαν
|: ἐπὶ τὴν ἄμμον. :|

καὶ κατέβη ἡ βροχὴ
καὶ ἦλθον οἱ ποταμοὶ
καὶ ἔπνευσαν οἱ ἄνεμοι
καὶ προσέκοψαν
τῇ οἰκίᾳ ἐκείνῃ,
καὶ ἔπεσεν,
καὶ ἦν ἡ πτῶσις
αὐτῆς μεγάλη.

καὶ κατέβη ἡ βροχὴ
καὶ ἦλθον οἱ ποταμοὶ
καὶ ἔπνευσαν οἱ ἄνεμοι
καὶ προσέπεσαν
τῇ οἰκίᾳ ἐκείνῃ,
καὶ οὐκ ἔπεσεν,
τεθεμελίωτο γὰρ
ἐπὶ τὴν …

Dasselbe in vereinfachter Umschrift:

pás óun hóstis akóuei
mou tóus lógous tóutous
kaí poieí autoús

homoiōthḗsetai
andrí phronímō,
hóstis ōkodómēsen autóu tḗn oikían
|: epí tḗn pétran. :|

kaí katébē hē brochḗ
kaí ḗlthon hoi potamoí
kaí épneusan hoi ánemoi
kaí prosépesan
tḗ oikía ekeínē,
kaí ouk ḗpesen,
tethemelíōto gár
epí tḗn pétran.

kaí pás ho akóuōn
mou tóus lógous tóutous
kaí mḗ poiṓn autóus

homoiōthḗsetai
andrí mōrṓ,
hóstis ōkodómēsen autóu tḗn oikían
|: epí tḗn ámmon. :|

kaí katébē hē brochḗ
kaí ḗlthon hoi potamoí
kaí épneusan hoi ánemoi
kaí prosékopsan
tḗ oikía ekeínē,
kaí épesen,
kaí ḗn hē ptṓsis
autḗs megálē.

kaí katébē hē brochḗ
kaí ḗlthon hoi potamoí
kaí épneusan hoi ánemoi
kaí prosépesan
tḗ oikía ekeínē,
kaí ouk ḗpesen,
tethemelíōto gár
epí tḗn …

Titel: Oikia // Originaltitel: Oikos (Rock-Lied) // Text (nach Mt 7,24–27), Melodie und © (2012), Interpretation, Produktion, Video und ℗ (2019): joajo.de

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