Zum Einschlafen zu singen

Heute Nacht hatte es hier an manchen Stellen nochmal Minusgrade – höchste Zeit, ein weiteres meiner Rilke-Lieder anzugehen. Sehr einfach, unbearbeitet und natürlich wieder aus einem Take, ungefähr so, wie ich es manchmal an Jeremias‘ Bett gesungen habe – sogar, als er noch in Joas Bauch war.

Diese Vertonung steht im 6/8-Takt mit schmalziger Akkordfolge, wobei sich die Gitarrenbegleitung gegen Ende verliert: In der dritten Strophe schlagen noch die Uhren, dahinter wird Stille – man hört dann tatsächlich noch die Uhr, die im Raum hängt. Unerwarteterweise nimmt der Fishman Presys Blend, den ich für 16 Euro gekauft und in meine Bastelgitarre eingebaut habe, mit seinem Innenmikrofon das leise Streifen meines Pullover-Ärmels auf der Schalldecke auf – ein netter Shaker-Ersatz für Gitarristen!

Ursprünglich in A-Dur und sehr tief gesungen, klang das Lied voller, wärmer und entspannter. Die jetzige Version steht in E-Dur, damit sich die Melodie eine Oktave höher ungefähr in der guten Lage von Kindern bewegt und für deren Nachahmung schon möglichst hoch daherkommt – und weil ich in letzter Zeit schon genug tiefere Lieder aufgenommen habe. Höchster Melodieton e“ ist zudem gute Gesangbuch-Tradition.

Es ist das erste Mal, dass ich mich dazu an den vierfingrigen H-Dur in der ersten Lage (A-Typ) traue, der mir vor über einem Jahr schon eine Sehnenscheiden-Entzündung eingebracht hatte und mich auch seither noch regelmäßig quält. Blind klappt er selbst bei diesem Tempo noch immer nicht sauber. Aber ich hatte mittlerweile ja schon 3 Stunden Gitarrenunterricht, bestimmt wird es bald besser!

Das eingebettete Video von YouTube
Hochauflösende MP3 des Audiotracks (Peripherie gekürzt)

Der Text, wie er auch für die Video-Untertitel von YouTube automatisch synchronisiert wurde:

Ich möchte Jemanden einsingen,
bei Jemandem sitzen und sein.
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
und begleiten schlafaus und schlafein.

Ich möchte der einzige sein im Haus,
der wüßte: die Nacht war kalt.
Und möchte horchen herein und hinaus
in dich, in die Welt, in den Wald. –

Die Uhren rufen sich schlagend an,
und man sieht der Zeit auf den Grund.
Und unten geht noch ein fremder Mann
und stört einen fremden Hund.

Dahinter wird Stille. Ich habe groß
die Augen auf dich gelegt;
und sie halten dich sanft und lassen dich los,
wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.

Titel: Zum Einschlafen zu singen // Text (Zum Einschlafen zu sagen. In: Das Buch der Bilder / Rilke, Rainer Maria. Berlin, Leipzig, Stuttgart: Axel Juncker Verlag, ²1906, 38): Rainer Maria Rilke (1900, †1926) // Melodie und © Melodie (2015), Interpretation, Video, Produktion und ℗ (2019): joajo.de

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