Pater

Ab dem Ende des Jahres 2008, wohl direkt im Anschluss an mein letztes Album Ostrakismos, hatte ich einige Lieder geschrieben, deren Text ausschließlich aus originalen Kernbibeltexten besteht – mit dem Ziel, dass Interessierte sich deren Wortlaut dank der Verbalisierung und Melodie besser merken können. Heute, mehr als 10 Jahre später, habe ich das erste und älteste davon endlich aufgenommen und veröffentliche es hiermit.

Dieses Gebet, das Jesus seine Jünger zu beten lehrt, findet sich in der Bibel sowohl beim Evangelisten Lukas (Lk 11,2–4) sowie in etwas erweiterter Form bei Matthäus (Mt 6,9–13, in dessen „Bergpredigt“) – im Lied sind beide Versionen vollständig enthalten. Es wird Vaterunser genannt, Herrengebet oder lateinisch Pater noster und wird von vielen Christen weltweit und schon die ganze Kirchengeschichte über gebetet.

Da das Neue Testament ursprünglich auf Griechisch verfasst wurde (heute in Abgrenzung zum gesprochenen Griechisch meist Altgriechisch genannt), gilt das auch für dieses Lied. Da außerdem niemand genau weiß, wie dieses Griechisch vor 2000 Jahren gesprochen wurde, habe ich mich an die Gepflogenheiten meiner einstmaligen Griechisch-Stunden gehalten: η/ē wird als ä, ω/ō als offenes o, θ/th als einfaches t und ρ/r als leicht gerolltes r gesprochen. Akzente verändern demnach ferner nicht die Tonhöhe einer Silbe, sondern nur deren Dynamik.

Ich meine mich zu erinnern, dass die Melodie damals wie von selbst entstand. Diese zwar unendlich abgedroschene, aber für mich doch immer wieder inspirierende Akkordfolge spielend, sang ich quasi auf Anhieb die finalen Töne. Ich bin mir nicht sicher, warum ich damals selbst in den tieferen Lagen so viel Kopfstimme eingesetzt habe – vielleicht, weil der Klang so mehr meiner Vorstellung einer Gebetshaltung entsprach? Beides, die ursprüngliche Melodie und die Art der Interpretation, sind in dieser Aufnahme jedenfalls  relativ originalgetreu festgehalten – nur rhythmisch gibt es kleinere Anpassungen gegenüber damals, die mir wegen der griechischen Akzente nötig schienen:

Das eingebettete Video von YouTube
Hochauflösende MP3 des Audiotracks (Peripherie gekürzt)

Der Text, wie er auch für die Video-Untertitel auf YouTube synchronisiert wurde – zuerst in griechischer, dann in vereinfachter Umschrift:

Πάτερ /ἡμῶν ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς/
|: ἁγιασθήτω τὸ ὄνομά σου
ἐλθάτω ἡ βασιλεία σου
γενηθήτω τὸ θέλημά σου :|
ὡς ἐν οὐρανῷ καὶ ἐπὶ γῆς

|: τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δὸς ἡμῖν σήμερον
[τὸν ἄρτον ἡμῶν τὸν ἐπιούσιον δίδου ἡμῖν τὸ καθ‘ ἡμέραν] :|

καὶ ἄφες ἡμῖν τὰ ὀφειλήματα ἡμῶν
ὡς καὶ ἡμεῖς ἀφήκαμεν τοῖς ὀφειλέταις ἡμῶν
καὶ μὴ εἰσενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμόν
ἀλλὰ ῥῦσαι ἡμᾶς ἀπὸ τοῦ πονηροῦ

[καὶ ἄφες ἡμῖν τὰς ἁμαρτίας ἡμῶν
καὶ γὰρ αὐτοὶ ἀφίομεν παντὶ ὀφείλοντι ἡμῖν]
καὶ μὴ εἰσενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμόν
ἀλλὰ ῥῦσαι ἡμᾶς ἀπὸ τοῦ πονηροῦ

|: /ὅτι σοῦ ἐστιν ἡ βασιλεία καὶ ἡ δύναμις καὶ ἡ δόξα :|
|: εἰς τοὺς αἰῶνας :| 3x
ἀμήν/

Dasselbe in vereinfachter Umschrift:

páter /hēmṓn ho en toís ouranoís/
|: hagiasthḗtō tó ónomá sou
elthátō hē basileía sou
genēthḗtō tó thélēmá sou :|
hōs en ouranṓ kaí epí gḗs

|: tón árton hēmṓn tón epióusion dós hēmín sḗmeron
[tón árton hēmṓn tón epióusion dídou hēmín tó kath‘ hēméran] :|

kaí áphes hēmín tá opheilḗmata hēmṓn
hōs kaí hēmeís aphḗkamen toís opheilétais hēmṓn
kaí mḗ eisenénkēs hēmás eis peirasmón
allá hrýsai hēmás apó tóu ponēróu

[kaí áphes hēmín tás hamartías hemṓn
kaí gár autoí aphíomen pantí opheílonti hēmín]
kaí mḗ eisenénkēs hēmás eis peirasmón
allá hrýsai hēmás apó tóu ponēróu

|: /hóti sóu estin hē basileía kaí hē dýnamis kaí hē dóxa :|
|: eis tóus aiṓnas :| 3x
amḗn/

Einige technische Hinweise:

  • Manche Zeichen werden in manchen Schrifttypen und Browsern nicht korrekt dargestellt. Im Lied können die Akzente unter Umständen auch unberücksichtigt bleiben.
  • Der Teil /zwischen Schrägstrichen/ ganz am Anfang (unser, der in den Himmeln) findet sich nur bei Mt, nicht bei Lk. Dasselbe gilt auch für den Teil zwischen Schrägstrichen ganz am Ende (Denn dein ist das Königreich und die Macht und die Herrlichkeit in die Ewigkeiten, Amen), der dem Gebet angehängt wurde. Er stammt aus einer Doxologie („Ehrende Worte“, Lobpreis), und fehlt in den ältesten Handschriften auch bei Mt.
  • Der erste [eckig eingeklammerte] Teil entspricht der Lk-Version (Unser nötiges Brot gib uns Tag für Tag), während die Zeile davor die Mt-Version ist (Unser nötiges Brot gib uns heute). Auch der zweite [eckig eingeklammerte] Teil ist die Lk-Version (Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem uns Schuldigen), während darüber die Mt-Version steht (Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben).
  • Ja, thélēmá ist in der Aufnahme auf der zweiten und damit falschen Silbe betont.

Titel: Pater // © Text (nach Lk 11,2–4; Mt 6,9–13), © Musik (2008), Interpretation, Video, Produktion und ℗ (2019): joajo.de

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