Musik veröffentlichen?

Grundgedanken zur Musik, deren Wesen und Wirken, besonders zur Frage, ob oder wie Laien sich mit ihrer Musik in der Öffentlichkeit bewegen sollten. Konkreter Anlass: Ich habe begonnen, hier auf joajo.de und auf YouTube eigene Musik freizugeben.

Musik in uns

Alles fängt an mit dem inneren Drang, Musik hören und machen zu wollen. Wo kommt der her? Warum hat ihn fast jeder Mensch? Warum hat ihn nicht jeder Mensch? Ich weiß es nicht. Es heißt in der Bibel, dass die Schöpfung singt, wir in diesem Leben singen sollen und im zukünftigen singen werden. Ich glaube daher, dass die Ewigkeit bei Gott voller Musik sein wird. Kein Wunder, dass ich als sein Ebenbild schon heute gerne viel mehr Zeit mit Musik verbringen würde.

Im Diesseits ist Musik aber Luxus. Für auf das Diesseits beschränkte Forschung ist es deshalb auch nicht einfach, ihre Entstehung zu erklären. Möglich ist es mit viel Willen und etwas Paleopoesie natürlich dennoch – es ist ja auch durchaus nicht zu übersehen, dass vor allem jüngere Menschen einander mit Musik imponieren wollen. Und wenn auch nicht mit eigenen kreativen oder technischen Fähigkeiten, so doch wenigstens durch Zurschaustellen ihres individuellen oder kollektiven Geschmacks.

Wohl aus beiden Beweggründen heraus mache ich seit meinen frühen Tagen Musik und kreiere spätestens seit meiner Jugend auch eigene Lieder.

Musik freigeben

Zunächst einmal abgesehen von deren Güte ist es ein Wesensmerkmal von Musik, dass sie nicht nur erzeugt, sondern auch wahrgenommen werden will. Ohne Gehörsinn machte mir das Singen vermutlich nur halb so viel Freude, und ohne Interaktion mit einem Gegenüber drehte man sich nur einsam im Kreis. Ich glaube, dass uns die Bibel eben deshalb zum Musikmachen auffordert, weil wir und unser Gegenüber es wahrnehmen: Einmal zur persönlichen Erbauung, dann zur Erbauung der Gemeinde und schließlich zur Verkündigung darüber hinaus – und all das immer zum Lob Gottes.

An diesem Punkt kann man gerne noch umfassender von universeller Kreativität und Inspiration sprechen, an der dann ja tatsächlich die ganze Schöpfung mit ihren unzähligen Klängen beteiligt ist: Was wir an Musik von uns geben, haben wir zu großen Teilen vorher selber wahrgenommen. Vielleicht gäbe es gar keine menschengemachte Musik, gäbe es nicht zuerst das Rauschen der Bäume im Wind?

Soweit die allgemeinen Gründe, Musik nicht nur zu machen, sondern auch freizugeben. Ja, womöglich sollte das Teilen sogar zur Definition von Musikmachen gehören?

Mist-Marketing

Die Digitalisierung hat dazu geführt, dass praktisch jeder mit geringen Kosten Tonaufnahmen erzeugen und im Internet zur Verfügung stellen kann. Es ist eine sehr schwierige, nicht auf die Musik beschränkte Frage, ob das als gut zu bewerten ist. In politischen Begriffen gesprochen: Die Verbreitung von Musik ist zwischenzeitlich weniger aristokratisch als vielmehr demokratisch getrieben. Noch vor 20 Jahren hätte vermutlich kein Mensch meine musikalischen Kreationen zu Hören bekommen.

Auch ich bin nicht in der Lage, zu beurteilen, ob das besser gewesen wäre. Es ist oft frustrieren zu sehen, welcher Mist sich einem im Internet aufdrängt. Was ich dabei aber realisiere: Es ist nicht die bloße und seit jeher gegebene Existenz von Mist, die stört, sondern die Ausrichtung dieses Mists auf möglichst große Aufmerksamkeit, sein Heischen mit allen Mitteln, und sei das Mittel pure Täuschung. Mist soll nicht als das erkannt werden, was er ist; Clickbaiting heißt da ein zentrales Stichwort. Krasse Verletzung von Urheberrechten ein anderes.

Sicher, eine gewisse Offensivität ist jedem Klang und jeder Musik eigen, insofern der Mensch sein Gehör nicht so einfach selektiv verschließen kann. Aber gerade im Bereich der konservierten Musik ließe sich dieser Aspekt leicht kontrollieren. Wird hier etwas in den Fokus gerückt, dann immer mittels vermeidbaren, sekundären Beigaben wie Metatexten, Thumbnails, Teasern usw. Es ist solch bewusstes Marketing, das den ohnehin existierenden Mist erst zur Plage werden lässt.

Bloß freigegebene, zur Verfügung gestellte Musik, dir für eine exakte Suche mit zutreffenden, hilfreichen Metadaten versehen wird, drängt sich nicht auf, sondern kann frei gesucht und gefunden werden.

Vollkommene Unvollkommenheit

Noch ist also keiner gezwungen, sich laienhafte Musik anzuhören. Hoher Anspruch kann weiterhin relativ schnell und zielgenau hohen Anspruch treffen. Aber wer der ebenso inflationär dargebotenen Professionalität, Virtuosität und Komplexität, der klanglichen Perfektion, Präzision und Klarheit allerorten müde geworden ist, findet heutzutage auch leicht Alternativen.

Ich will an dieser Stelle den sehr prominenten Fall der Amercian Recordings von Johnny Cash erwähnen. Allen Respekt gegenüber Rick Rubin für die geniale Produktion! Mit jedem neuen Album wurde Cashs Timing unpräziser, die Aussprache undeutlicher, er konnte kaum mehr einen Ton sauber halten. Doch wie sehr genieße ich diese Aspekte inmitten oft bis zur Sterilität optimierter Musik! Perfekte Imperfektion möchte ich das nennen.

Im Prinzip kaum anders geht es mir, seit ich Kinder habe: Es ist wunderbar, ihren naiven Gesängen zu lauschen, die eine Weile weder Perfektion noch Wettbewerb kennen.

Musik aus mir

Mittlerweile kann also jedenfalls das Ohr, das unvollkommenen Klang wie meine Stimme besonders angenehm findet, diesen dank Digitalisierung ohne räumliche und zeitliche Nähe hören.

Dass es solche Ohren tatsächlich gibt, vermittelten mir in den letzten Jahren durchaus viele Menschen. Das schmeichelt natürlich, sollte einen aber nicht stolz machen. Denn zumindest meine Stimme ist nicht das Produkt eigener Anstrengungen, sondern eine weitgehend unverfügbare Gabe und damit für mich als Christ auch Aufgabe. Anstrengungen sollte ich daher eher unternehmen, um damit irgendwann auch guten Gesang hervorzubringen – dazu bedürfte es nämlich weit mehr als einer für jene Ohren angenehmen Stimme.

Gepaart mit der Tatsache, dass ich außerdem kein Begleitinstrument beherrsche und irgendwelcher zusätzlicher Aufwand vor und nach einer Aufnahme für mich zeitlich ausgeschlossen ist, bleibt auch das Endergebnis unvollkommen. Es ist damit nahe dem, was ich bin und was Dritte von mir wahrnehmen – und manche eben nicht nur authentisch finden, sondern sogar gut.

Creative Commons

Eine für manche angenehme Stimme ist das Eine – die lässt sich aufnehmen und anhören. Musik sind aber auch die Melodien, Harmonien und Rhythmen, die bisher nur als Ideen existieren und noch keinen geeigneten Interpreten gefunden haben.

Auch solche Werke oder geistigen Schöpfungen will ich gerne teilen und meine eigene Interpretation dabei lediglich als Medium verstanden wissen. Diese Interpretationen schaffen trotz ihrer Unvollkommenheit überhaupt erst die Möglichkeit, dass andere Musiker diese Ideen aufgreifen, bearbeiten und musikalisch umsetzen können.

Daher stelle ich sämtliche meiner Lieder nicht nur als Tonaufnahme, sondern auch als Werk und geistige Schöpfung unter eine Creative-Commons-Lizenz, die es jedem erlaubt, diese Lieder ohne Rückfrage und auch kommerziell zu verwenden. Die genauen Bestimmungen sind hier beschrieben.

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