Aufnahmetechnik

Wie es sich wohl gehört und manchmal tatsächlich erfragt wird, hier eine Auflistung der ab sofort für meine Aufnahmen verwendeten Geräte, Software und Einstellungen samt Preis und Jahr der Anschaffung.

Zuerst aber ein wichtiges Vorwort: Es ist eine Diskussion so alt wie die Musikproduktion, dass man viel genauer den eigenen Vorstellungen entsprechende Ergebnisse erzielen könnte, wenn man doch nur bessere Technik zur Verfügung hätte! Das ist meistens richtig. Vor allem ein besseres Mikrofon, besserer Vorverstärker und besserer Analog-Digital-Wandler würden auch bei meinen Aufnahmen und in meinen Ohren zu einer Verbesserung – sagen wir einfach: von 10% – führen. Aber: Ganz ohne Zweifel ist es nicht diese minderwertige Technik, die ein um weitere 90% wunschgemäßeres Ergebnis verhindert, sondern allein meine musikalischen, interpretatorischen und tontechnischen Unfähigkeiten. Daher lohnt sich ein tausende Euro schwerer Invest (oder vergleichbarer Gehaltsverzicht für mehr Zeit) in meinen Augen eher hinsichtlich Letzterem.

Nun zu den eingesetzten Arbeitsmitteln:

Das Mikrofon ist ein Superlux E205, in 2016 mit 39 Euro das möglicherweise günstigste Großmembran-Kondensatormikrofon auf dem Markt. Es ist mit einem Noname-Scherenarm für knapp 13 Euro an meinem Schreibtischregal befestigt. (Zuvor besaß ich ein sehr gutes anderes Mikrofon, dessen Wert aber meine übrige Signalkette und Fertigkeit zu weit übertraf und daher bald wieder verkauft wurde. Siehe meinen damaligen Test des Sennheiser MK 4.)

Als Mikrofon-Vorverstärker, Analog-Digital-Wandler und USB-Audio-Interface mit Phantomspeisung kommt ein Alesis iO2 Express zum Einsatz. Das war in 2015 mit 94 Euro die wohl günstigste Option, die dank Class-Compliance auch in Zukunft mit quasi allen Betriebssystemen funktioniert. Meine vorherigen Helferlein Tascam US-122 (2003) und US-144 (2007) mit ihren proprietären Treibern wurden nicht mehr unterstützt machten zunehmend Probleme. (Mehr dazu in meinem damaligen Beitrag zu Audio-Dropouts.)

Damit nehme ich jedenfalls das Mikrofon sowie den Gitarren-Tonabnehmer getrennt jeweils mono mit einer Auflösung von 24bit und 48kHz auf. Für die Abnahme der Westerngitarre habe ich 2018 einen Fishman Presys Blend für rund 16 Euro eingebaut; in meiner alten Gitarre war bereits ein Fishman ISYS Plus drin.

Das Video kommt von unserer 2015 für knapp 630 Euro gekauften Familienkamera Panasonic Lumix DMC-LX100 an einem zweiten Scherenarm, identisch mit dem oben genannten. Sie nimmt hier in einer Auflösung von 3840x2160px (4K, UHD, 2160p) bei 24Hz auf und komprimiert nach MPEG-4 Part 10 mit H.264 und Planar 4:2:0 YUV. Da ich das Video zwischen Kamera und YouTube zu 0% bearbeite, stammen eventuelle Filtereffekte immer von der Kamera selber.

Die Synchronisation der Audiotracks der Kamera und des Mikrofons sowie die Tonaufnahme geschehen manchmal in Audacity, manchmal in Steinbergs Cubase LE 5. Letzteres ist zwar veraltet, wurde aber kostenlos im Bundle mit oben genanntem Audio-Interface geliefert und bietet ein paar praktische Funktionen mehr als Audacity.

Effekte, die ich dabei verwende, beschränken sich bisher auf Echo aus dem freien VST-Plugin Voxengo OldSkoolVerb und den alten, ebenso freien
digitalfishphones.com Spitfish de-esser für das Mikrofon. Etwas Chorus für den Tonabnehmer kann selbst hergestellt werden. Im jeweils mitgelieferten Kompressor oder Limiter aktiviere ich außerdem manchmal die angebotene Röhren-Simulation, die die Amplituden etwas komplizierter köpft.

Zum Abhören ziehe ich – auch wegen meiner in dieser Lebensphase meist schlafenden Kinder – meine In-Ear-Monitore Shure SE112 von 2016 für 55 Euro vor. Zwischenzeitlich höre ich einen Mix aber auch zunehmend auf Handy, Tablet, Hi-Fi-Anlage oder im Auto ab – wo er nachher auch von anderen gehört werden wird.

Die Extraktion des Audio-Tracks aus der MP4-Datei der Kamera geschieht mittels VideoLANs VLC media player. Zur Komprimierung des Audio-Materials nach Audacity bzw. Cubase kommt LAME (1.3 / 3.92) zum Einsatz, das ich vor über 10 Jahren heruntergeladen und bisher nicht aktualisiert habe. Zum Austausch des Audio-Tracks im MP4-Container sowie zum Erstellen von Einzelbildern aus dem Video verwende ich Means Avidemux (2.7.1). Alle 3 verlinkten Programme sind frei verfügbar.

Noch ein Wort zur Codierung mit LAME: Zunächst wollte ich dem MP4-Format und den YouTube-Empfehlungen entsprechend einen AAC-Audiotrack verwenden. Aber alle Encoder und alle Einstellungen, die ich getestet habe, führten nach dem YouTube-Upload und der dort unausweichlichen Neucodierung zu einem schwankend asynchronen Ton, vor allem auf unseren Handys. So bin ich letztlich wieder zurück zum alten MPEG-1 Layer 3 mit 320kbps konstanter Bitrate, das ich in den MP4-Container packe. Der hat dasselbe Problem, nur schwächer ausgeprägt.

Der Computer, den ich verwende, ist ein Samsung N130 von 2010 für um die 220 Euro, zu dem es nicht einmal mehr eine offizielle Produktseite gibt. Prozessor dieses Netbooks ist ein Intel Atom N270 mit 1,6Ghz und es hat nachträglich verdoppelte 2GB Arbeitsspeicher. Das ist einer der Nebengründe, weshalb ich keine Videobearbeitung betreibe.

Alles zusammengenommen klingt trotz Unterklasse-Komponenten nach recht hohen Kosten. Wenn man aber berücksichtigt, dass das Notebook und die Kamera einstmals überhaupt nicht für diesen Zweck angeschafft wurden und auch heute überwiegend für anderes eingesetzt werden, kostete die oben genannte Ausstattung die letzten 9 Jahre genau 25 Euro pro Jahr.

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