Dank zur Reformation

Kreuz im Ulmer Münster

Hoc est enim corpus meum.

Denn dies ist mein Leib. Wie oft musste der Kirchgänger des Spätmittelalters dieses Hokuspokus gehört haben. Je häufiger, desto besser. Transsubstantiations-Hopping war angesagt, dafür konnte man sich insgeheim ein wenig Ablassgeld sparen.

Für Martin Luther war dieses Geschäft mit der Gerechtigkeit des Menschen vor Gott eine Schande. Egal, wieviele Messen und Münzen man investiert hat – am Ende hilft dem verlorenen Sünder doch allein der Glaube an Jesus Christus.

Nicht zuletzt deshalb konnte Luther es auch nicht mitansehen, dass dieses Evangelium nur auf Latein – also gar nicht – zu den Menschen kam. Es muss doch unverfälscht und in verständlicher Sprache kommuniziert werden, damit jeder auf der Straße es verstehen kann!

Das Wort sie sollen lassen stahn, und keinen Dank dazu haben.

Wie oft habe ich diesen Satz Martin Luthers gesungen, zuletzt heute – beim Konzert zum Reformationstag 2015. Doch obwohl ich Sprachen und Theologie studiert habe, konnte ich ihn nicht verstehen. Den Menschen um mich herum ging es ebenso. Mehr noch: Viele verstanden ihn sogar falsch.

Für Martin Luther wäre diese Perversion seines Anliegens eine Schande gewesen: Da werden Sonntag für Sonntag Lieder und Bibeltexte in einer Sprache und Form gesungen und gelesen, die Menschen auf der Straße nicht kennen – und zu oft auch nicht verstehen würden. Und das alles unter Berufung auf den großen Reformator.

Ich kann es nicht mitansehen, dass wir die Reformation feiern, indem wir ihr Anliegen pervertieren. Dass wir sie verraten, indem wir sie konservieren. Wir verunglimpfen die Reformation, wenn wir sie als Kulturgut pflegen. Wir verfälschen das Evangelium, wenn wir es nicht übersetzen. Es muss doch in verständlicher Form kommuniziert werden, damit jeder auf der Straße es verstehen kann!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.