Sennheiser MK 4 vs. AKG Perception 220

Sennheiser MK4 vs. AKG Perception 220

Ich habe die beiden Mikrofone Sennheiser MK 4 und AKG Perception 220 einem Vergleichstest unterzogen. Beide haben 1 Zoll große, vergoldete Membranen und (normale) Nierencharakteristik. Doch wie vergleicht man Mikrofone am objektivsten? Und warum gerade diese beiden?

Vorauswahl

Nun, diese beiden Mikrofone sind die Finalisten eines längeren Auswahlprozesses, in dem ich für einfaches Homerecording meiner Stimme das passendste Mikrofon finden wollte. Da auch der Rest meiner Signalkette, namentlich meine Stimme und ein Alesis iO2 Express, eher vom Low-End her kommen, nahm ich auch nur Mikros in den Blick, die man in diesem Bereich gerne antrifft oder die ich sowieso irgendwoher zur Hand hatte. Auch wenn dieser lange Prozess jetzt nicht das Thema sein soll, nenne ich kurz die namhaftesten Wettbewerber:

  • Shure SM58
  • Shure Beta 58A
  • Sennheiser E845 (S)
  • Sennheiser MD 421 (U5)
  • AKG C1000 S (MKIV)
  • AKG Perception 120
  • AKG Perception 220
  • Rode NT1-A
  • the t.bone SCT 800 (12AX7)
  • Sennheiser MK 4

Vergleichen wollte ich also jedenfalls ausschließlich den Klang meiner Gesangsstimme im Heimstudio, diesen sowohl solo als auch im Mix mit einer getrennt aufgenommenen Westerngitarre. Maßstab für den Vergleich sollte wiederum ausschließlich mein Gehör sein  keine technische Messung des Frequenzgangs, des Signal-Rausch-Abstands, der Nierenform oder ähnliches.

Testaufbau, Teil 1: Physik

Dabei gibt es ja zuerst manche physikalische Herausforderung:

  • Die beidem Membranen sollten exakt gleich besprochen werden, also im selben Winkel und im selben Abstand  denn schon kleinste Variationen sind selbst für mein laienhaftes Gehör wahrnehmbar.
  • Das eine Mikrofon sollte nicht näher an einer Reflexionsfläche stehen als das andere, um den reflektierten Schall möglichst identisch zu halten.
  • Den Faktor Körperschallübertragung halte ich für gemeinhin überbewertet. Ich habe beide Mirkos ohne Spinne an einfachen Ständern befestigt, da mein Stampfen mit dem Fuß auf den Boden mit und ohne Spinnen genau gleich aufgenommen wurde. Bei beiden Mikrofonen ist die Kapsel ohnehin schon elastisch gelagert. (Das Beitragsbild zeigt eine andere Situation.)
  • Die verwendeten Mikrofon-Vorverstärker sollten dieselben sein, und idealerweise auch die Qualität und Länge der Mikrofon-Kabel.
  • Beide Mikrofone sollten gleich stark ausgesteuert werden. Das gelingt (mir) natürlich nur ansatzweise, da beide Modelle einen etwas unterschiedlichen Frequenzgang haben. Grundsätzlich hat aber das MK 4 den durchgängig höheren Output. (Zum vergleichenden Abhören werden dann natürlich die Aufnahmen noch auf denselben Pegel normalisiert!)
  • Die Membrane der Mikrofone sollten dieselbe (Raum-)Temperatur und (geringe) Oberflächenfeuchtigkeit haben, da sich sonst unrepräsentatives Rauschen, Zischen und Knacksen einmischen können.
  • Beim Abhören der Aufnahmen hat natürlich der verwendete Lautsprecher größten Einfluss. Hierfür verwendete ich meine sehr linearen Nahfeldmonitore Roland DM-10 (mono).

Testaufbau, Teil 2: Psyche

Größer als die pyhsikalischen Herausforderungen waren in meinem Fall jedoch gewisse Voreingenommenheiten, die man gerne als Erweiterung des Begriffs Psychoakustik verstehen darf: Wie kann ich mich in meiner Entscheidung allein auf den Klang konzentrieren, wenn allerlei periphere Faktoren dazukommen?

Faktoren wie zum Beispiel:

  • Das MK 4 stammt von einer deutschen Traditionsfirma und wurde in Deutschland zusammengebaut. Auf dem AKG prangt hingegen Made in China.
  • Sennheiser hat nicht zuletzt wegen seiner Neumann-Mikrofone weltweit einen hervorragenden Ruf. AKG kenne ich eher aus dem un- bzw. semiprofessionellen Bereich.
  • Das AKG ist von der Elektronik her gesehen ein typisches, hirnloses Fernost-Imitat des Neumann U87A.
  • Ich habe in der Vergangenheit für alle meine Gesangsaufnahmen das Sennheiser MD 421 verwendet. Zu AKG habe ich hingegen keinen persönlichen Bezug.
  • Beide Mikrofone wirken äußerst stabil und wertig, aber das MK 4 sieht in meinen Augen besser aus. Das AKG mit seinem Blaugrau-Silber finde ich sogar regelrecht verunstaltet. (Da ist der kleine Bruder Perception 120 noch schöner.)
  • Das AKG kostet nicht einmal die Hälfte des Sennheiser: 135 vs. 295 Euro. Was sollte mir mein laienhafter Gesang wert sein? Und vor allem: Höre ich beim Billigeren nicht wie von allein deutliche Schwächen?
  • Das AKG kommt mit Koffer, Spinne, Ersatzgummis und je einem Schalter für Bassfilter und Vorabschwächung. Es ist also bei geringerem Preis besser ausgestattet als das Sennheiser, welches außer der einfachen Klemme und dem billig anmutenden Beutel nichts zu bieten hat.

Um diese Faktoren auszublenden, musste ich mich regelrecht selbst überlisten. Aber wie geht das so, dass ich am Ende trotzdem noch die bessere Aufnahme dem richtigen Mirkofon zuordnen kann?

Lösung: Indem man zwei identische Mikrofonkabel mit identischen Steckern verwendet, die 2-3 Meter länger sind als eigentlich benötigt. Dann macht man an einer induktiv unbedenklichen Stelle einen lockeren, aber ordentlichen Kabelsalat, sodass man nicht mehr erkennen kann, welches Mikrofon nun in welchen Vorverstärker läuft. Später, nach dem Test, löst man den Salat dann auf und kann so die beiden Kanäle zu ihrem jeweiligen Mikrofon zurückverfolgen.

Ergebnis?

Ich kann von meinen Aufnahmen her eindeutig sagen, dass das AKG Perception 220 gegenüber dem Sennheiser MK 4 minimal stärker betonte Brillanzen hat, aber vor allem noch mehr Höhen.  Die einen Hörer würden beim AKG deshalb wohl von seidigeren, luftigeren Höhen sprechen ich hingegen empfinde das als härter, glasiger oder gar kratziger.  Dass die Sibilanten dadurch ebenfalls schärfer herauskommen, stört mich hingegen weniger. Im Präsenzbereich und darunter stelle ich gar keine Unterschiede fest.

Dem MK 4 würde ich also einen lineareren, ausgewogeneren und weicheren Klang attestieren. Konkret für meine Stimme würde ich meiner Selbstwahrnehmung nach auch behaupten, dass das MK 4 die authentischere, natürlichere Wiedergabe bietet. Im Solo gefällt es mir deshalb auch besser.

Im Mix mit der Gitarre hingegen ist es dann auch zurückhaltender, da steht das AKG weiter vorne. Nun muss man sich aber klarmachen: Natürlich steht ein Mikrofon, dass den Brillanz- und Höhenbereich betont, weiter vorne und wird oft auch zuerst als interessanter wahrgenommen. Das Gehör ermüdet jedoch schneller, und ein brillanter Klang wird dann zum nervenden, aufdringlichen Klang. Diesen Ersteindruck machen sich günstigere Mikrofone dieser Bauart ja durch die Bank zunutze. Fraglos bietet auch das MK 4 schon eine merkliche Anhebung dieser Frequenzen nur eben eine etwas maßvollere und damit langfristig überzeugendere.

Damit fällt meine Beurteilung zugunsten des Sennheiser MK 4 aus: Es gibt meine Gesangstimme besser und originalgetreuer wieder. Ich halte es sogar für durchaus möglich, dass mir bei diesem Mikrofon Anpassungen mit dem Equalizer vollständig erspart bleiben, um mein gewünschtes Ergebnis zu erhalten.

P.S.

Auch wenn meine klangliche Beurteilung im Einklang mit Tests von Fachmagazinen steht, wird sie doch durch den Frequenzgang, wie er in den beiligenden Anleitungen der Mikrofone dargestellt ist, nicht gerade bestätigt: Hier haben beide Modelle einen quasi identischen Buckel bei 10 KHz, ansteigend ab etwa 3 KHz. Das MK 4 hat noch eine zusätzliche Charakterbeule bei 1,7 KHz, die ich aber nicht bemerkt habe, und müsste damit sogar als etwas weniger linear beurteilt werden.

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