Sicilia est insula

Camping La Focetta Sicula

Das war der erste lateinische Satz, den Joa und ich im Ambrosianum 2005 zu hören bekamen. Siclia est insula. Sardinia est insula. Sicila et Sardinia sunt insulae. Und da Germania non insula est, sunt wir diese Pfingstferien nach Sizilien gefahren.

Alter Audi A4 B5 Avant
Alter Audi A4 B5 Avant

Tatsächlich gefahren, knapp 5000 Kilometer mit einem alten Audi A4 B5 Avant und einem EasyTop Dachzelt. Unser Polo ist für diese Dachlast nicht zugelassen, außerdem verbraucht der Audi weniger Sprit und fährt dabei schneller. Das heißt bei 140 km/h ca. 300 Liter Diesel, und da in Italien der Sprit viel teurer ist als in Deutschland, heißt das außerdem ca. 500 Euro. Dazu kommen um die 200 Euro Maut und Fähre, wenn man wie wir die ganze Strecke auf der Autobahn zurücklegt. Den übrigen Verschleiß (Stoßdämpfer!) will ich lieber nicht schätzen.

Gewicht zwischen den Achsen
Gewicht zwischen den Achsen

Um eine ebene Ladefläche im Auto hinzubekommen, haben wir die Rückbank ausgebaut und die Lehnen umgeklappt. So konnten wir alles schwere Gepäck noch vor die Hinterachse laden und hatten den Kofferraum fürs leichtere: Üppig Platz für Tisch und Stühle, Platzhalterzelt und Sonnenschirm, Kleider und Schuhe. Um unsere Einkäufe im Urlaub auf frisches Obst und Gemüse beschränken zu können, haben wir Getränke, Pasta, einige Konserven und Müsli gleich mitgenommen. NEU! Jetzt auch mit Nescafé Green Blend, der sich kalt lösen lässt und dabei richtig frisch schmeckt!

Freie Fahrt durch Süditalien
Freie Fahrt durch Süditalien

Wenn man wie wir nur auf die Insel will, fährt man durch Italien am schnellsten auf den Autobahnen, also die A1 bis Neapel und noch die A3 bis Ende Kalabrien. Überraschenderweise waren die Straßen zwischen Florenz und Rom am schlechtesten, während es unterhalb von Neapel eher besser wurde. Jedenfalls halbierte sich der Verkehr mit jeder Großstadt, also Florenz, Rom und Neapel. Das war sehr angenehm, und lediglich die sehr zahlreichen Absperrungen ohne erkennbaren Nutzen nervten etwas. Stau gab es hin und zurück lediglich um Mailand herum, der Pfänder und der Sankt Bernardino waren beide Male recht problemlos passierbar.

Hunde an die Leine
Hunde an die Leine

Da wir Freitagnachmittags abgereist waren, stoppten wir für die Übernachtung zwischen Mailand und Bologna. Das war sogleich die negativste Campingerfahrung: International Camping Modena. Mein Erfahrungsbericht, der auch anderswo zu lesen ist:

Der Platz war hässlich, mit angrenzender Müllhalde und Schnellstraße, die Sanitäranlagen desolat und ungepflegt, die Rezeption zuerst unbesetzt dann unfreundlich, ein Haufen Trucker saß draußen, wurde bewirtet und lärmte bis spät nachts, Hunde rannten frei herum und bellten die ganze Nacht. Wir kamen um 23:30 Uhr an, brauchten nur Platz für einen PKW und reisten um 6:30 Uhr wieder ab, und dafür wurden 31,50 Euro verlangt. Zum Vergleich: Unser nächster Platz kostete 14,50 Euro und war qualitativ besser. Ach ja, und das versprochene Warmwasser inklusive gab es auch nicht.

Wenn die Plätze in Norditalien schon teurer sein müssen als in Süditalien, dann doch bitte auch mit einem Gegenwert! (Bessere Erfahrungen haben wir bei der Rückreise in Mailand gemacht, dazu aber später einmal.)

Straße von Messina
Straße von Messina

Am Abend des zweiten Tags, Samstag, setzten wir mit einer Fähre der Gesellschaft Bluferries von Villa San Giovanni nach Messina über. Der im Internet angegebene 40-Minuten-Takt gilt aber scheinbar nur mit einer Einschränkung: Wenn die Fähre voll ist. Die Stunde Wartezeit, bis dem so wäre, nutzen wir für Kaffee und Vesper ein großer Vorteil des voll ausgestatteten Campers. Skylla und Charybdis zeigten sich danach sehr entspannt, die Meerenge konnte in etwa 20 Minuten überquert werden.

Überhaupt nicht entspannt war dagegen Messina Downtown. Der erste Kulturschock brach wie ein brüllendes Ungeheuer über uns herein, sein Rachen war weit aufgerissen, es passte eine vielspurige Straße ohne jede Markierung hinein, die aus allen Himmelsrichtungen von tausend Vespas und diversen 40-Tonnern befahren wurde, dazu wenig Licht, keine Blinker, keine Schilder und keine Orientierung. Da! Im strömenden Verkehr parkt mitten auf der Fahrbahn ein Auto, quasi in dritter Reihe, ich weiche gerade noch aus und rasiere bestenfalls den Außenspiegel. Doch was ist das? Auf dem Fahrersitz steht ein Baby mit Schnuller im Mund, hat das Fahrerfenster geöffnet und lehnt sich auf die Fahrbahn heraus! Ich hinterlasse ein wenig Lack an seinem Fingernagel und traue meinen Augen kaum. Das Ungeheuer hat ein ausgedehntes Beutespektrum …

Camping La Focetta Sicula
Camping La Focetta Sicula

Unser erster Campingplatz auf Sizilien ist dann ab 21:30 Uhr La Focetta Sicula:

Von der recht umständlichen, aber korrekten Anfahrt über die abendlich bevölkerte Strandpromenade einmal abgesehen war dieser Campingplatz eine gute Wahl. Für uns 2 Erwachsene mit PKW ohne Zelt kostete er regulär 17 Euro, nach drei Nächten 14,50 Euro. Er hat sehr freundliche, hilfsbereite und des Englischen mächtige Bedienstete, der alte Josef (Guiseppe?) spricht sogar Deutsch. Die Sanitäranlagen sind recht dürftig, aber vorbildlich und regelmäßig gereinigt, 4 Minuten Warmwasser kosten 50 Cent. Es gibt einige Plätze mit Meerblick, direkten Steinstrandzugang und klares, quallenfreies Meerwasser. Flächendeckendes WLAN, Computerräume und eine Bar runden den Platz ab, Messina, Taormina, die Alcantara und der Ätna sind gut erreichbar. Jederzeit wieder!

Damit ist unsere Anreise, also die ersten beiden Tage unseres Sizilien-Urlaubs, grob beschrieben. Den dritten Tag, Sonntag, dösten wir größtenteils, lasen und planten die kommenden zwei Wochen. Bei Gelegenheit geht es hier also mit dem vierten Tag weiter: unserem Besuch in Taormina und der Alcantara-Schlucht. Die Galerie unten zeigt noch zwei Bilder mehr vom Strand des zweiten Campingplatzes, ein Zeugnis sizilianischer Frömmigkeit sowie meine mittlerweile doch recht betagte Canon EOS 1000D mit noch betagterem Tamron 17-50, womit die meisten Urlaubsbilder geschossen wurden.