Mein Leben habe ich für dich gegeben!

Todesanzeige Hermann Flaig

Heute vor 2 Jahren wurde mein Opa Hermann in Lackendorf beerdigt. Es war ein sehr kalter, aber sonniger Herbsttag. Obige Todesanzeige, wie sie auch im Schwarzwälder Boten abgedruckt wurde, hatte er zu Lebzeiten selbst formuliert. Ich habe sie – hoffentlich ebenso nach seinem Willen – mit einer kurzen Ansprache im Trauergottesdienst vertieft. Diese Ansprache will ich zum zweiten Jahrestag seiner Beerdigung veröffentlichen:

Wie ja einige von Ihnen wissen, hat Opa Hermann auch gerne Ahnenforschung betrieben.

Vor einigen Jahren hat er mir einen Stammbaum gezeigt, den er selbst aufgezeichnet hatte, der war mindestens einen Quadratmeter groß und ging auf der einen Seite bis ins Jahr 1598 zurück. Wir haben dann für seinen 80. Geburtstag, das war 2008, ein Fotobuch gemacht mit diesem Stammbaum, mit vielen Texten, die Opa dazu geschrieben hat, und mit vielen alten Bildern, teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert.

Das war für mich als Enkel eine ganz eindrückliche Erfahrung, weil Opa sich ja offensichtlich die Frage gestellt hat: „Wo komme ich eigentlich her?“ Und wenn man Ahnenforschung betreibt, dann sieht man auch ziemlich schnell und ziemlich deutlich: Alle meine Vorfahren sind gestorben – der eine früher, der andere später. Deshalb fragte Opa Hermann nicht nur „Wo komme ich her?“, sondern auch: „Wohin gehe ich eigentlich?“

Beide diese Fragen hatte Opa Hermann für sich beantwortet. Man sieht das sehr schön in seiner Todesanzeige, die er selber kurz vor seinem Tod verfasst hat:

  1. Da schreibt er ganz oben, dass er „im Glauben und Vertrauen zu seinem Schöpfer“ stirbt. Was will er damit sagen? Opa wusste, dass am Anfang seines Lebens der Schöpfer steht, dass er sein Leben von Gott geschenkt bekam. Das ist seine Antwort auf die Frage: „Woher komme ich?“
  2. Und neben diesen Satz hat Opa auf seine Todesanzeige ein Kreuz gezeichnet – aber kein gewöhnliches Kreuz, sondern ein Kreuz, das aus den Worten „Jesus Christus“ besteht. Der senkrechte Balken heißt „Christus“, und der Querbalken heißt „Jesus“. Dieses Kreuz will Opa auch auf seinem Grabstein haben, denn dieses Kreuz ist seine Antwort auf die zweite Frage: „Wohin gehe ich?“

Lassen Sie mich erklären, warum:

Opa hat mir erzählt, dass er immer wieder mit seinem Stolz zu kämpfen hatte, und er oft auch auf andere herabgeschaut hätte. Und das war nicht sein einziger Fehler! (Wie wir Menschen eben so sind!) Aber ein Erlebnis hat ihm sehr zu denken gegeben: Es war bei einem Seminar in Moos, bei Eriskirch am Bodensee. Da ist er eines Morgens, so gegen vier Uhr, plötzlich aufgewacht, und ihm war, als hörte er eine Stimme, die zu ihm sprach: „Hermann, ich bin auch für dich gestorben!“ Und als er zu dem Kruzifix über seinem Bett hochschaute, wusste er, wer da zu ihm gesprochen hatte.

Opa hat mir während unserer gemeinsamen Lebenszeit dreimal diese Geschichte erzählt. Und jedes Mal hatte er Tränen in den Augen. Warum?

  1. Die Erkenntnis, dass Jesus für ihn gestorben ist, hat seinen Stolz gebrochen. Jesus musste nicht nur für die Sünden der anderen sterben, sondern auch für ihn, Hermann Flaig, persönlich, damit er einmal im Frieden vor dem Angesicht Gottes stehen könnte.
  2. Der andere Grund, warum Opa so ergriffen war von diesem Erlebnis, ist die Liebe Gottes, die darin zum Ausdruck kommt: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben hat.“ Das wurde Opa wohl in diesem Moment bewusst – und deshalb sprach Opa Hermann nicht so oft von „Jesus Christus“, sondern viel öfter vom „Heiland“, von demjenigen, der ihm das ewige Heil gebracht hat.

Das wollte ich Ihnen, liebe Trauergemeinde, heute erzählen, denn dieser Glaube an den Heiland Jesus Christus ist der Grund, warum Opa Hermann jetzt in Frieden sterben konnte. Er hatte keine Angst vor dem Tod, denn er hatte nicht nur in der Welt alles Nötige abgeschlossen, sondern er war im Frieden mit Gott und der Ewigkeit.

Das ist das größte Erbe für mich als seinen Enkel, und es war mir ein Anliegen, dieses Erbe am heutigen Tag nicht für mich zu behalten.

Seine Ahnenforschung ist übrigens auch online verfügbar: Hermann Flaig. Außerdem ein kleines Gedicht, welches er noch kurz vor seinem Tod ab- bzw. aufgeschrieben hat: Herbst. Um die Todesanzeige auch für Suchmaschinen les- und findbar zu machen, steht sie hier noch einmal als Text:

Im Glauben und Vertrauen zu seinem Schöpfer verschied mein
lieber Mann, unser Vater, Opa und Bruder
Hermann Flaig
* 22.08.1928 †17.10.2011
aus unserer Mitte.

In Liebe und Dankbarkeit:
Die Ehefrau: Rosa Flaig, geb. Maier
Die Kinder: Barbara Benner mit Familie
Hubert Flaig mit Familie
Josef Flaig mit Familie
Marianne Fetscher mit Familie
Der Bruder: Arnold Flaig

Der Rosenkranz ist am Donnerstag, 20. Oktober, um 19:30 Uhr in der St. Johannes Baptistkirche. Der Trauergottesdienst findet am Freitag, 21. Oktober, um 14:00 Uhr in der St. Johannes Baptistkirche statt. Anschließend ist die Beerdigung auf dem Friedhof.

Lackendorf, im Oktober 2011

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