Dankbarkeit – Morgenandacht

Lukas 3,25, EF 60mm f/2.8 Makro 1:1

Du sollst anbeten vor dem HERRN, deinem Gott, und sollst fröhlich sein über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deinem Haus gegeben hat. (5Mo 26,10f)

Und als neutestamentliche Entsprechung steht für den heutigen Tag im Losungsheft:

Seid in Christus Jesus verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar. (Kol 2,7)

Nun, kürzlich hatten wir im Hauskreis eine Diskussion über Dankbarkeit. Und zwar über die vielen Stellen bei Paulus, in denen er sagt: Seid dankbar! (Kol 2,7) Seid in allem dankbar! (1Thess 5,16) Dankt allezeit, denn das ist der Wille Gottes für euch in Jesus Christus! (Eph 5,20) Und zwar heißt es in Eph 5,20 sogar: Seid für alles dankbar!

Ich will den Gang unserer Diskussion im Hauskreis heute morgen nochmal kurz nachgehen:

Und zwar war die erste Frage: Es kann doch nicht sein, dass Paulus wirklich meint, dass wir für alles dankbar sein sollen! Es leuchtet doch jedem ein, dass es nicht richtig sein kann, für die großen Übel in der Welt zu danken.  Nein, in der Tat glaube ich, dass die heutige Losung aus dem AT die bessere Antwort ist: „Du sollst fröhlich sein über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deinem Hause gegeben hat.“ (5Mo 26,10f) Das wird auch Paulus meinen, und nicht, dass wir für offensichtlich schlechte Sachen danken sollen.

Aber ganz überzeugt hat uns das nicht. Denn Paulus schreibt ja z.B. auch, wir sollten in allem dankbar sein. Das klingt nochmal anders, und vermutlich meint er schon mehr, als nur für gute Dinge, die man hier und da mal erlebt, dankbar zu sein. Nein, das klingt vielmehr nach einer Grundhaltung, die immer funktioniert, auch wenn wir mit Schlechtem konfrontiert sind.

Aber wie könnte diese aussehen?

In unserem Hauskreis sind wir letztendlich auf drei Punkte gekommen, die innerlich sehr viel miteinander zu tun haben und sich auch gegenseitig bedingen:

  1. Erstens kann Gott auch aus der schlimmsten Situation und der übelsten Sache etwas Gutes machen. Das klingt sehr abgedroschen, aber es stimmt: Der allmächtige Gott kann definitiv jedes noch so verkorkste Schicksal wenden. Das zu glauben, heißt nicht, dass man das Schlechte in der Welt gutheißen muss, weil es ja doch zum Guten führt. Nein. Aber man darf darauf vertrauen, dass Gott die ganze Welt in seiner Hand hat, und im festen Vertrauen auf seine Zusage schon jetzt dankbar sein, dass er am Ende alles gut, gerecht und weise hinausführen wird. Dafür kann man bereits jetzt in allem dankbar sein – vor allem, weil wir doch immer wieder schon jetzt erfahren dürfen, dass Gott das wirklich tun kann: Auf krummen Zeilen gerade schreiben.
  2. Der zweite Punkt, für den wir in jeder Situation dankbar sein können, ist unser Friede mit Gott. Auch das klingt für uns Christen oft banal – natürlich hat Gott mich in Jesus von allem erlöst! Aber: Es ist nicht banal. Uns allen wächst unsere Sünde dauernd über den Kopf, und wenn wir sie alle paar Tage selbst wieder bemerken, dann merken wir plötzlich auch wieder, wie dankbar wir für unseren barmherzigen Gott sein dürfen, der uns noch soviel mehr vergibt, als wir selbst überhaupt sehen können! Und dann will er uns sogar noch nahe sein:
  3. Das Dritte, wofür wir in allem dankbar sein dürfen, ist, dass Gott bei uns ist. Jeder von uns wird dankbar sein, wenn er sein Leid und seine Schmerzen jemandem mitteilen kann, der ihn versteht, der sich zu ihm ans Bett setzt und ihm zuhört, wenn jemand bei ihm ist, der mitfühlen kann. Nichts Geringeres tut Gott. Er interessiert sich für uns. Und er weiß genau, wie es uns geht, weil er selbst Mensch geworden ist, in diese verkorkste Welt herabgekommen ist und ihr Elend wohl noch viel schlimmer erfahren hat als wir. Er weiß, wovon wir reden, was wir denken und was wir fühlen. Dessen können wir uns sicher sein. Und dafür können wir wirklich dankbar sein, dass wir einen Gott haben, der nicht von unserer Seite weicht.

Nun muss ich zum Schluss aber leider sagen, dass wir gegen Ende des Hauskreises festgestellt haben, dass wir das zwar alles glauben und diesen drei Punkten ja durchaus zustimmen, dass wir aber dennoch einfach nicht dankbar sind – oder zumindest nur recht selten. Wir kennen doch alle die Situationen, wo wir einfach zu träge sind, um dankbar zu sein – gerade wenn es uns eigentlich gut geht, und selbst wenn wir uns daran erinnern, dass Jesus für uns gestorben ist und dass wir einen barmherzigen Gott haben, und dass uns Gott nahe ist und dass Gott doch etwas Gutes mit uns im Sinn hat.

Deshalb war die größte Erkenntnis an jenem Hauskreisabend, dass wir auch in Sachen Dankbarkeit immer und immer wieder auf die Gnade Gottes angewiesen sind. Es ist letztlich Gnade, wenn wir von Herzen dankbar sein dürfen. Auch das klingt vielleicht abgedroschen – aber mir scheint, dass es die Wahrheit ist. Daher können wir dankbar sein, wenn wir dankbar sind.

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